Chiemseerisches Bayrisch oder der Verlust meiner Heimat

Bratschistisch, Bier(auchWein)trinkerisch, Chiemseeisch, Würzburgisch, Rostockerisch, Mannheimisch, Katzenbesitzerisch, nurFreundschaftisch, tolleFotosposterabermachdenEindruckdulegstkeinenWertaufLikesisch, Tindertesterisch, Sensibelisch, (un?)glücklichSingleisch, Charmantisch, Bezauberisch, …

Schlagwörter, die meine jetzige Selbstwahrnehmung beschreiben (noch so ne Trulla, die versucht ihr Seelenheil auf öffentlichen Plattformen zu finden..*kotz**würg*, wie man zu ICQ-Zeiten noch so schön zu kommentieren pflegte, oder, heutzutage etwas moderner: #schreib’n’Buchdamusseswenigstenskeinerlesen). Bei mir ist das natürlich alles anders und äußerst originell. Ich bin ja was besonderes. Echt fei.

Da starte ich doch gleich mal mit meiner Herkunft. Das Schlagwort Chiemseerisch bringt mir immer Sympathie Punkte, vor allem bei… ach, eigentlich bei allen Leuten. Dass von diesem Schlagwort nur noch ein Veilchen übrig ist, verschweige ich natürlich. Ich protze immer mit meiner Herkunft, die Berge, der Chiemsee, Bayern, die Bayrische Sprache, mittlerweile fühle ich mich dort aber immer mehr wie ein „oider Saupreiss“. Nun gut, bin ja jetzt auch ein paar Jährchen weg und spreche sowas wie Hochdeutsch. Ein bisschen komisch finde ich es ja schon, dass ich gar kein Bayrisch mehr spreche(n kann, ok hab nie allzu viel bayrisch geredet, bin als „ach so gebildete Musikerin“ relativ früh auf Hochdeutsch umgestiegen). Wenn ich es aber heutzutage hin und wieder versuche, fühle ich mich einfach nur wie ein Trottel. In Rostock oder auch noch Würzburg war man ja immer der King, wenn man mal nen Spruch raushaut, der Bayrisch klingt. Die merken ja sowieso nicht ob das jetzt a „guads Boarisch“ oder a „Saupreiss versuacht Boarisch zum Redn Boarisch“ war. Vasteh deans e nix. Als ich aber über Weihnachten zu Besuch im Chiemgau war und abends in einer Kneipe auf der Damentoilette a jungs Madl äußerst höflich (natürlich auf Hochdeutsch) nach einer Zigarette fragte, erntete ich einen Blick, der mir das Blut in den Adern gefrieren ließ und bekam nur ein abwertendes: „NA!!! I HOB KOA ZIGRETTEN FÜA DI!“ an den Kopf gepfeffert. In diesen Sekunden wurde mir eins klar: Anna – das wars. Du bist keine Einheimische mehr. Ob diese kleine Unterhaltung ein besseres Ende genommen hätte, wenn ich versucht hätte bayrisch zu reden… Ich wage es zu bezweifeln. Die in Bayern merken nämlich, dass das a „Saupreiss versuacht Boarisch zum Redn Boarisch“ gewesen wäre. Das Veilchen wird immer kleiner. Die Schmerzen im Herzen dafür umso größer.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s